Ortschronik

Die Ortschaft Rohrdorf und der Johanniterorden

Kirche mit einem Dachreiter davor die Alte Kommende an der Nagold
Bild: Gemeinde 

Rohrdorf und der Johanniterorden gehören historisch eng zusammen. Der Ort Rohrdorf wurde erstmals am 18. Dezember 1285 urkundlich erwähnt. An diesem Tag verkaufte Vogt Hugo von Wöllhausen Güter und Einkünfte in Rohrdorf an das Kloster Reuthin. Rohrdorf unterstand sowohl der geistlichen als auch der weltlichen Herrschaft einer Vogtei. Aus den Quellen erfahren wir, dass der Ort zu dieser Zeit aus einer Burg, fünf Hofgütern und einer Mühle bestand. Die Landeshoheit lag bei den Grafen von Hohenberg.

Federzeichnung der Kirche und des Schlossgebäude, umgeben von einer Mauer
Bild: Gemeinde

Im Jahr 1296 schenkte Gottfried, Abt des Klosters Hirsau, dem Johanniterorden zwei Hofgüter in Rohrdorf. Damit begann eine Entwicklung, die den Ort über Jahrhunderte hinweg entscheidend prägen sollte. In den folgenden Jahren baute der Johanniterorden seine Besitzungen und Rechte in Rohrdorf sowie in den benachbarten Orten stetig aus, vor allem durch weitere Schenkungen.Am 25. April 1311 wurde die neu errichtete Johanneskirche in Rohrdorf geweiht. Graf Burkhard IV. von Hohenberg erwies sich dabei als besonders engagierter Förderer des Johanniterordens. So übertrug er dem Orden im Jahr 1317 Fischereirechte und Weiderechte; auch die niedere Gerichtsbarkeit ging in dieser Zeit auf den Johanniterorden über. Ein Jahr später, 1318, gelangte zudem der Kirchensatz durch eine Schenkung des Grafen von Ebhausen an Rohrdorf. Durch den wachsenden Besitz und die zunehmenden Rechte wurde die Einrichtung einer eigenen Verwaltungseinheit notwendig. Bereits 1317 ist mit dem Ritter und Komtur Hermann von Empfingen erstmals eine eigenständige Komturei in Rohrdorf nachweisbar. Der Verwaltungssitz befand sich mit großer Wahrscheinlichkeit in der ehemaligen Burg der Vögte von Wöllhausen. Zuvor waren die Rohrdorfer Besitzungen von der Komturei Rexingen aus verwaltet worden. Kirche und Burg lagen dabei in unmittelbarer Nähe zueinander.Im Jahr 1430 ließ der damalige Komtur Johannes von Weitingen an der Stelle der alten Burg ein großes Schloss- beziehungsweise Klostergebäude errichten, das direkt an die Kirche anschloss. Dieses Gebäude ist heute als die „Alte Kommende“ bekannt. Das Wappen des Komturs sowie die Jahreszahl am Bauwerk zeugen noch heute von seiner Entstehungszeit.

Lageplan der einzelnen Komtureigebäude mit Beschriftung in deutscher Schreibschrift
Bild: Gemeinde 

1440 ging die Landeshoheit über Rohrdorf an das Haus Württemberg über. 1556 führte Württemberg die Reformation ein, und 1568 übernahm es schließlich das Patronatsrecht. In Rohrdorf erfolgte die Reformation mit Duldung des Komturs Haug von Münchingen. Da der Johanniterorden weiterhin dem katholischen Glauben treu blieb, kam es in den folgenden Jahrzehnten immer wieder zu Spannungen.
Bis ins 18. Jahrhundert war die Bevölkerung von Rohrdorf überwiegend evangelisch, während katholische Gottesdienste in der Johanneskirche von Gläubigen aus den Nachbargemeinden besucht wurden. 1595 ließ Komtur Wiprecht von Rosenbach ein weiteres Schlossgebäude im Stil der Renaissance errichten, das als „Kaplanei“ bekannt wurde. 1741 wurde die Kirche nach Westen erweitert. Das Herzogtum Württemberg und der Johanniterorden schlossen einen Vertrag, der den Bau eines eigenen Gottesdienstraums für die evangelische Gemeinde ermöglichte. Fast 200 Jahre lang teilten sich Katholiken und Protestanten die Johanneskirche zu unterschiedlichen Tageszeiten. Noch heute sind unter dem Dach der ehemaligen „Komturei“ evangelische und katholische Gemeinde vereint, wenn jetzt auch räumlich getrennt. Bis zur Säkularisation in Württemberg im Jahr 1806 gehörte die Kommende Rohrdorf zum Großpriorat Heitersheim des Malteserordens in Deutschland. Seit etwa 1530 nannte sich der Johanniterorden auch Malteserorden. Nach der Aufhebung des Ritterordens fiel das Vermögen des Ordens an Württemberg; in Rohrdorf wurde dies 1809 vollständig umgesetzt. Schloss, Liegenschaften und Inventar des Ordens wurden verkauft oder versteigert, und in den Gebäuden der Komturei entstanden Fabriken.

Ansicht Rathaus, Johanneskirche und Schaffnerei von Westen
Bild: Gemeinde 
Fresken mit Jäger mit geschulterten Gewehr, Wildschwein und Reh welche von einem Hund gehetzt werden.
Bild: Gemeinde 

1833 kaufte die Gemeinde das Kaplaneigebäude aus der Konkursmasse eines Unternehmers und richtete darin das Rathaus ein. Im Laufe der Zeit gelang es der Gemeinde, nach und nach auch das Eigentum an der Alten Kommende zu erwerben. Zwischen 1987 und 1990 wurde das Gebäude umfassend rekonstruiert und renoviert. Besonders sehenswert sind die Wandmalereien mit Jagdszenen im kleinen Saal sowie die gotischen Fenster, die nach der Restaurierung wieder in neuem Glanz erstrahlen. Heute vereint die Johanniterkommende die weltliche Gemeinde sowie die katholische und evangelische Kirchengemeinde unter einem Dach. Die Kosten für Glocken und Dachreiter der Kirche werden zu gleichen Teilen von allen Gemeinden getragen. Durch die neue Verwaltungsgliederung des Königreiches Württemberg im Jahr 1810 wurde Rohrdorf dem Oberamt Nagold zugeordnet. In der Oberamtsbeschreibung für Nagold aus dem Jahr 1862 werden mehrere Textilfabriken im Ort erwähnt, deren Produkte auch ins Ausland verkauft wurden. Insgesamt waren 145 Personen in der Produktion beschäftigt, zudem arbeiteten in einer Zündholzfabrik bis zu 20 Kinder. Während der nationalsozialistischen Herrschaft fanden zwei Kreisreformen statt; bei der letzten wurde Rohrdorf 1938 dem Landkreis Calw zugeordnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte der Ort zunächst zur Französischen Besatzungszone und später zum Land Württemberg-Hohenzollern, das 1952 im neuen Bundesland Baden-Württemberg aufging. Mit Mühle, Schaffnereigebäude, Rathaus und der Johanneskirche bildet das Komtureiensemble ein einzigartiges historisches Monument und das Herzstück des Ortes.